Maastricht

Streets of Maastricht

Wart ihr schon mal an einem Ort im Urlaub, von dem ihr vorher quasi nichts wusstet? Eine kleine Stadt, von der es noch nicht viele Reiseberichte ins World Wide Web geschafft haben? Vielleicht ein verlassener Strand, den ihr zufällig für euch entdeckt habt? Alex und mir ging es ein bisschen so, als wir uns Anfang Oktober in den Zug Richtung Maastricht gesetzt haben (okay, zugegeben, auf dem Weg waren es viele Züge, mit vielen Zwischenstopps, aber Hauptsache man kommt irgendwann an..). Ich hatte Alex zu Weihnachten einen Gutschein für zwei Übernachtungen in der kleinen holländischen Stadt geschenkt, ohne vorher viel von diesem Ort gehört zu haben. Aber man sagt ja, Abenteuer halten einen frisch in der Birne (beziehungsweise sage ich das jetzt einfach mal) und eine kurze Sucheinheit bei Freund und Helfer Google hat dann ausgereicht, um zu sagen: okay, dat isses jetzt!

Eigentlich fahre ich gerne gut vorbereitet in den Urlaub und wenn man auf meinem smarten Phone Google Maps (oh boy, ich schwöre, ich mache keine Google Schleichwerbung!!) öffnet, findet man zu so einigen Städten einige gelbe Sternchen, die einige meiner Wunsch-Destinations markieren. Egal wo es hingeht, mithilfe von Instagram Hashtags werden vegane Cafés, glutenfreie Bäckereien und andere Leckereien-versprechende Hotspots ausfindig gemacht und dann flink markiert. Und genau hier hat sich bei Maastricht die Challenge aufgetan. Es gab zwar den ein oder anderen Eintrag bei Tripadvisor, aber so ganz schlau ist man aus den Kommentaren nicht geworden und generell hatte ich das Gefühl, dass es in Maastricht mehr Muscheln und Meeresfrüchte als Tofuburger geben würde. Nichtsdestotrotz habe ich mir meine Pinnadeln gesetzt und war gespannt, ob wir uns vor Ort die Bäuche vollschlagen könnten oder doch eher leer ausgehen würden. Außerdem hatte ich immer noch die Notlösung parat, bei der ich mir ein bisschen wie eine Mutter von drei wählerischen Kids vorkam, denn sie hieß: “Ach, im schlimmsten Fall gibt’s einfach Pommes!”

Weil ich mich gerne als den guten Samariter sehe, sitze ich nun also von ramontischem Kerzenlicht umgeben, werde von Kater Milu angemaunzt und verfasse diesen – hoffentlich – hilfreichen Beitrag für all die Pflanzenfresser, die sich auch mal über die Grenze trauen und einen Trip nach Maastricht wagen! Die passende Tasse Tee fehlt leider, da ich gerade zu bequem bin, um meine derzeitige Position großartig zu verändern und leider niemand hier ist, den ich mit großen Kulleraugen bestechen könnte, mir eben diesen an mein Lager zu bringen.

Maastricht also. Schon die Ankunft am Bahnhof war entzückend. Vielleicht noch nicht der Weg von der Bushaltestelle durch die kalte Überführung, aber spätestens der Blick in das Foyer hat mich überzeugt. Auch vor dem Bahnhof erwarteten uns viele schöne, gemütlich wirkende Häuser mit ihren fotogenen Haustüren die sich später noch sehr gut vor unserer Kameralinse machen würden.

Street of Maastricht

Jedoch konnten sich unsere müden Äuglein noch nicht vollends über den Anblick der Stadt erfreuen, denn die Nacht war kurz, die Zugfahrten lang und unsere Bäuche leer. Wer Alex und mich kennt, weiß, dass wir nicht auf unserer Höhe sind, wenn der Magen auch nur leicht am Grummeln ist. Zum Glück war ich ja aber weitestgehend vorbereitet und konnte zum ersten Mal auf unseren Reisen die Führung übernehmen. Also fast, denn Karten lesen kann ich auch dank neutechnischem Schnickschnack nicht und so war es ein halbes Gelotse und in die falsche Richtung laufen meinerseits und ein heldenhaftes Korrigieren meiner Fehler von Alex und nach nicht mal fünf Minuten Fußmarsch kamen wir an unseren ersten Destination an:

SAP Bagel & Juice Bar

Hier kannst du dich zwischen mehreren (vegan) belegten Bagels entscheiden. Es gibt auch verschiedene Geschmacksrichtungen für die Backware, zum Beispiel mit getrockneten Tomaten, Spinat oder zu meiner Freude auch glutenfrei! Neben Bagels gibt es auch andere Frühstücksklassiker, wie Joghurt mit Obst und Granola und diverse frisch gepresste Säfte. Also so ziemlich alles, was mein Herz begehrt!

Probiert haben wir den veganen BLT Bagel und die Kombination von dem würzigen Tempeh in Bacon Style und der kräftigen Knoblauchsoße hat uns mehr als überzeugt! Auch der Avocado Bagel enttäuscht nicht. Ausgefallener, aber nicht weniger lecker war der Curry Aufstrich, den wir auf dem glutenfreien Bagel bekamen. An dieser Stelle muss ich sagen, dass mein Ehrgeiz echt geweckt wurde, einen weder staubtrockenen, noch fad schmeckenden Bagel ohne herkömmliches Mehl zu kreieren.

Bei den Säften haben wir uns auch ein wenig durch die Karte probiert und da ich auf den besonderen Twist stehe, kann ich vor allem den Brain Potion mit rotem Chilipulver empfehlen!

SAP Bagel vegan

Vegan BLT Bagel Maastricht

In den drei Tagen, in denen wir in Maastricht waren, sind wir zwei mal zum Frühstücken in die Bagel Bar gegangen. Zum einen, weil uns die große Auswahl an Bagels und Säften begeistert hat und zum anderen, weil sonst nicht all zu viel Auswahl an veganem Frühstück zu finden war.

Gestärkt von den Bagels ging es an Tag 1 dann noch kurz zum Hotel, um das Gepäck abzusetzen (eventuell sind wir dann für das ein oder andere Stündchen in typischer Alex-Flora-Manier komplett ungeplant auf dem Bett eingeschlummert). Danach konnte uns nichts mehr davon abbringen, die Stadt für uns zu entdecken. Hier gibt es vier verschiedene Viertel, die alle so ihre Besonderheiten mit sich bringen. In der Nähe des Bahnhofs gibt es zum Beispiel in den vielen schmalen Straßen tolle Second-Hand-Geschäfte, in die es sich auf jeden Fall lohnt reinzuschauen.

Weiter über die schöne Saint Servatius Brücke kommt man dann in die typische Fußgängerzone, inklusive Marktplatz. Da wir beide nicht die größten Fans von unüberschaulichen Menschenmassen sind und es zudem noch ein Wochenende mit anschließendem deutschem Nationalfeiertag war, haben wir diese Gegend weitestgehend umlaufen – außer vielleicht um besonders leckere Pommes zu essen, aber dazu gibt’s später mehr..

Servatiusbasilika Maastricht

Servatiusbasilika Maastricht

Außerhalb des City Centers findet man zum Beispiel so tolle Locations, wie De Brandweer Kantine. Klingt komisch, ist auch irgendwie komisch. Denn hinter dem Namen verbirgt sich ein Restaurant/Café/Working Space, das sich auf jeden Fall lohnt abzuchecken. Wir haben dort zwar nur einen Cappuccino getrunken und können deshalb keine Erfahrungen über das Essen mit euch teilen, aber allein für das Auge ist es den kurzen Fußmarsch wert.

De Brandweerkantine Maastricht

Wenn man sich die Füße vertritt und neue Gegenden bestaunt, kann man schon schnell hungrig werden und so war es gen Abend wieder Zeit, um etwas leckeres zwischen die Zähne zu kriegen. Für diese Empfehlung geht es queer durchs Zentrum, zurück zum Marktplatz, wo sich am Sonntagabend gefühlt mehr Deutsche Touristen aufhielten, als Einheimische. Deutsch scheint in Maastricht generell eine weitverbreitete Sprache zu sein und so hätten wir zum Beispiel unser Abendessen auch in unserer Muttersprache bestellen können. Jenes gab es bei with love burrito. Hier gibt es zu unserer großen Freude mehr als nur eine vegane Option und so entschieden wir uns für den Sweet Potato und den Portobello Burrito. Ein mal in mittel und ein mal in etwas mehr scharf. Ich weiß nicht mehr genau, ob es die Schärfe war, die uns ablenkte oder ob das Abendlicht einfach nicht gut genug für Fotos war. Um hier einen genaueren Eindruck zu bekommen, müsst ihr euch wohl selbst davon überzeugen. Ich kann nur sagen, geschmacklich top und die Nase war nach dem ganzen Chili definitiv frei! Gesättigt und glücklich konnte es nun wieder Richtung Hotel gehen.

Ein Tag im Leben von Flora dreht sich um Essen. Ich will nicht sagen ausschließlich, aber ich lebe getreu dem Motto: Nach dem Essen ist vor dem Essen. Und so freute ich mich schon beim Einschlafen auf das kommende Frühstück. Dieses sollte es im Kaféthea geben. Freunde des guten Kaffees und veganen Gebäcks, ich kann nur sagen: hin da! Und jetzt lasse ich Bilder reden.

Kafethea Maastricht

vegan Pancakes

Kafethea Maastricht hygge

Das schöne an Maastricht ist meiner Meinung nach, dass es so klein und überschaubar ist und es nicht all zu viel Sehenswürdigkeiten gibt. Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin gerne bei kilometerlangen Fußmärschen durch die verschiedensten Städte dabei und hab das auch schon mehrfach (ohne mich über schmerzende Füße zu beklagen) mitgemacht. Aber nachdem wir nicht mal eine Woche wieder aus Barcelona zu Hause waren und mein Gehirn noch immer damit beschäftigt war, das Erlebte zu sortieren und zu verarbeiten, war es zur Abwechslung wirklich mal schön, nicht diesen Sightseeing-Druck zu verspüren. So hat es mich einfach erfreut, eine Straße drei mal zufällig entlang zu schlendern und sich jedes Mal über neue Perspektiven und Fotomotive zu erfreuen.

Wie bereits erwähnt, war ich sehr angetan von den wunderschönen Häusern und pittoresken Haustüren. Auch entdeckten wir den Wall der Stadt und andere begeisternde Dinge, wie zum Beispiel eine Buchhandlung in einer alten Kirche (boekhandel dominicanen). Solltet ihr mal in Maastricht sein, würde ich euch definitiv empfehlen einfach ohne großen Plan die Straßen entlangzuspazieren und gucken, wohin euch eure Intuition führt. Keine Sorge, die Stadt ist definitiv nicht groß genug, dass ihr unterwegs verloren gehen könntet.

beautiful door portrait

maastricht by night

Zum Schluss möchte ich noch zwei Empfehlungen aussprechen. In dem anfänglich beschriebenen Viertel Nähe Bahnhofs gibt es ein Lokal, das nenn sich Burgerlijk. Der Name verrät wahrscheinlich schon das Programm, aber von eben diesem haben die Köche hier Ahnung. Ich kann zwar nicht für die Karnivoren sprechen, aber die veganen Alternativen sind nicht zu verpassen! Leider mussten wir die Burger to go bestellen, da sie quasi unser Snack für die Zugfahrt waren und wer mich im Alltag schon mal erlebt hat, weiß, dass ich in der Regel eher zum Zug hetzen muss, anstatt gemächlich zu gehen. Im Urlaub mache ich da selten eine Ausnahme. Das führte dazu, dass unsere Burger ordentlich durchgeschüttelt wurden und wir euch diesen Anblick lieber ersparen wollten. Wenn ihr aber etwas mehr Zeit mitbringt, ist es bestimmt nett in Ruhe im Restaurant zu essen, das wirkte nämlich sehr schön und gemütlich!

Burgerlijk Maastricht

Da ich hier jetzt schon mehrfach von Pommes geschrieben habe, sind wir nun endlich an den Punkt gekommen, an dem ich euch aufklären werden. Ja, wir haben uns Pommes gegönnt. Nicht ein mal, nicht zwei mal, satte drei mal kam es dazu. Und wir haben ein Ranking aufgestellt. Da Pommesversuch 1 und 2 echt nicht der Rede wert waren, will ich euch hier nicht noch mehr zu lesen geben sondern endlich mal zum Punkt kommen. Wollt ihr Pommes, dann geht zu Reitz (an dieser Stelle möchte ich auf die zahlreichen Wortwitze in meinen ursprünglichen Notizen hinweisen, die ich euch netterweise aber erspare). Und macht es klüger als wir. Geht nicht an einem deutschen Nationalfeiertag zur Mittagszeit zu Reitz. Denn dann könnt ihr schon mal mehr als eine halbe Stunde für zwei Tüten Pommes anstehen. Falls ihr aber keine andere Wahl habt, dann wappnet euch dafür. Auf dem Weg zum Kartoffelglück werdet ihr vielen Kartoffeln und dem ein oder anderen Klischee begegnen. Aber was tut man nicht alles für fettiges Gold (gleich zwei mal frittiert!).

Reitz Maastricht Pommes

Da nun das Pommesgeheimnis gelüftet ist, kann ich wohl mit dem Tippen aufhören. Vorher möchte ich mich aber noch bei allen bedanken, die bis hier im Text gekommen sind! Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen etwas helfen und wenn ihr es auch mal bis nach Maastricht schafft: berichtet gerne!

Adieu,

Flora.

Flora isst mit Leidenschaft. Flora ist detailverliebt. Hat sich mit sieben Jahren dazu entschieden keine Tiere mehr zu essen. Spiritual Animal: Pandabär.

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